Kinofinder

Nach „Plastic Planet” der
neue Film von Werner Boote

Über den Film:

Population Boom Filmplakat

7 Milliarden Menschen auf der Erde. Schwindende Ressourcen. Giftige Müllberge. Wer von uns ist zuviel?
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Über die Produktion:

Population Boom - Über die Produktion

Nikolaus Geyrhalter Film arbeitet mit RegisseurInnen und AutorInnen, die eine ausgeprägte und innovative Handschrift für das jeweilige Medium besitzen.
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Population Facts - Ernährung

„Überbevölkerung”
als Frage der Verteilungsgerechtigkeit

Die landwirtschaftliche Produktion würde ausreichen, um alle Menschen der Welt zu ernähren.

Population Boom – HungerDie Landwirtschaft produziert weltweit mehr Lebensmittel pro Kopf als je zuvor. 2011 wurde bei der weltweiten Getreideproduktion eine Rekordernte eingefahren – mit 2,3 Milliarden Tonnen Getreide wuchs die Produktion um 3,5 Prozent gegenüber 2010.

Die Kalorienmenge, die jedem Menschen täglich zur Verfügung stehen würde, stieg von 2 200 Kilokalorien (kcal) Anfang der 1960er-Jahre auf 2 790 kcal in den Jahren 2006 bis 2008. In den Entwicklungsländern erhöhte sie sich sogar von 1 850 kcal auf 2 640 kcal im selben Zeitraum.

Obwohl ausreichend Nahrung auf diesem Planeten vorhanden ist oder produziert werden kann, hungern Menschen. Während vor 50 Jahren etwa 26 Prozent aller Menschen gehungert haben, sind es heute immer noch dreizehn Prozent der Weltbevölkerung. Nach Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO litten im Zeitraum von 2010 bis 2012 weltweit 870 Millionen Menschen an Hunger. 2010 waren über 100 Millionen Kinder unter fünf Jahren untergewichtig, und jedes Jahr sterben etwa 2,5 Millionen Kinder an Mangelernährung.

Population Boom – Fettleibigkeit Quelle kleinezeitung.atDie Weitere zwei Milliarden Menschen sind fehlernährt – teils aus Mangel, teils durch ein Übermaß an Nahrung –, Tendenz steigend. Das Pariser Institut national de la recherche agronomique (Inra) geht davon aus, dass im Jahr 2050 eine Milliarde Menschen an Unterernährung leiden wird und gleichzeitig 700 Millionen Menschen von Überernährung betroffen sein werden.

Für 2012 wurde die Weltgetreideproduktion auf 2 284 Millionen Tonnen geschätzt, das sind im Vergleich nur 2,7 Prozent weniger als im Rekorderntejahr 2011 mit 2 348 Millionen Tonnen. Trotz dieses Rekords wurden nur 47 Prozent des weltweit geernteten Getreides zur Ernährung genutzt, rund 34 Prozent wurden als Tierfutter verwendet und der Rest zu Treibstoff oder anderen Industrieprodukten verarbeitet.

Produktionsverluste zum Beispiel in Afrika und übermäßig viel weggeworfene Lebensmittel in OECD-Ländern machen zusammen – laut Inra – zwischen 30 und 50 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion aus.

Population Boom – Nahrungsverschwendung Quelle ntv.deIn den kommenden Jahrzehnten wird die Weltbevölkerung auf etwa neun Milliarden Menschen anwachsen. Die Herausforderung besteht darin, allen Menschen Zugang zu Nahrung zu ermöglichen.

Laut Weltagrarbericht ist Hunger vor allem ein ländliches Problem und kann nachhaltig nur vor Ort überwunden werden: Der Zugang zu Boden, Wasser und Saatgut, Dünger und Arbeitsgeräten ist für die Menschen auf dem Land existenziell. Eine soziale Mindestabsicherung, Bildung und zusätzliche Erwerbsmöglichkeiten auf dem Land entscheiden zudem darüber, ob das Menschenrecht auf ausreichende und gesunde Ernährung umgesetzt wird. In den meisten Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas sind Hunger und Armut daher auch wesentlich mit der Frage nach der Möglichkeit zur regionalen Selbstversorgung verbunden.

„Überbevölkerung” als Argument pro Gentechnik

Befürworter der sogenannten Grünen Gentechnik führen mit dem moralischen Argument, das Ernährungsproblem der schnell wachsenden Weltbevölkerung auf diese Weise in den Griff zu bekommen, gegen Kritiker der Risikotechnologie zu Felde. Doch die Versprechungen der Gentechnik-Konzerne haben sich bisher nicht erfüllt: Die scheinbare Wunderwaffe gegen den Hunger der Welt – genmanipulierte Pflanzen, die dank ihrer Widerstandskraft gegen Trockenheit oder Schädlinge höhere Erträge erbringen sollen – hat bisher keinen nachweislichen Beitrag zur Ernährungssicherheit geleistet.

Population Boom – Grüne Gentechnik Quelle spiegel.deDer überwiegende Anteil der heute weltweit angebauten Gentech-Pflanzen wird als Tierfutter verwendet, um die Fleischnachfrage der Industrieländer zu decken, und nicht, um den Hunger in den armen Ländern zu stillen. Gentech-Pflanzen sind für riesige Monokulturen konzipiert und leisten zur Ernährungssicherheit in klein strukturierten Landwirtschaften keinen Beitrag.
Der Einsatz von Gentechnik und das Agieren der Konzerne haben im Gegenteil weitere Probleme geschaffen: Geistige Eigentumsrechte und die Oligopole einiger Anbieter führen zur Abhängigkeit. Saatgut, das von patentierten Gentech-Pflanzen stammt, darf nicht weiter zum Aussäen verwendet werden. Jene Bäuerinnen und Bauern, die sich aufgrund der Versprechungen der Konzerne Monsanto, DuPont (Pioneer) oder Syngenta für den Einsatz von Gentechnik entschieden haben, sind dazu gezwungen, für jede Aussaat neues Saatgut zu kaufen bzw. jedes Mal Gebühren an die Patenthalter zu bezahlen. Der selbstständige Zugang zum lebenswichtigen Saatgut bleibt verwehrt. Die Kosten für Saatgut tragen wiederum dazu bei, dass die Nahrungsmittelpreise steigen, wodurch sich die Ärmsten Lebensmittel noch weniger leisten können.

Population Boom – Gentechnik Pflanzengift Quelle taz.deAus der Hand der Gentechnik-Konzerne stammt auch Pestizid, gegen das die Gentech-Pflanzen immun sind. Diese Form der Gentechnik kauft man nur im Doppelpack mit den dazugehörigen Pflanzengiften. Gentech-Pflanzen haben auch eigene „eingebaute” Insektengifte, aber zunehmende Resistenzen auf Seiten der Schädlinge führen nicht zur versprochenen Reduktion des Einsatzes von Pestiziden – während die Risiken der Technologie für Mensch und Natur nicht abschätzbar sind. Die Umsätze des globalen kommerziellen Saatgutmarktes werden dagegen auf 27,4 Milliarden US-Dollar (Daten aus 2009) geschätzt. Fazit: Nur einige wenige kassieren den Profit, während große Teile der Bevölkerung weiterhin Hunger leiden. Die zehn größten Konzerne kontrollieren 74 Prozent des weltweiten Saatgutmarktes. Drei Unternehmen – Monsanto, DuPont (Pioneer) und Syngenta – beherrschen 53 Prozent des Marktes, der weltweit größte Saatguthersteller Monsanto kontrolliert allein 27 Prozent. Bei Zuckerrüben beträgt der Marktanteil der drei größten Saatgutproduzenten 90 Prozent, bei Mais 57 Prozent und bei Sojabohnen 55 Prozent.

Population Boom – Saatgutkonzerne Quelle ebv.chDie zunehmende Konzentration der Saatgutproduzenten auf wenige patentierte Sorten, die größere Gewinne abwerfen, treibt auch das drastische Abnehmen der Sortenvielfalt voran. Je weniger Sorten angebaut werden, desto größer ist aber die Gefahr, dass Krankheiten, Insektenbefall oder extreme klimatische Bedingungen eine ganze Ernte ausrotten, was in armen Weltregionen schnell zu einer Katastrophe führen kann. Vielfalt mindert dieses Risiko. Doch in den vergangenen hundert Jahren sind bereits 75 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzpflanzen aus der Landwirtschaft verschwunden.

„Überbevölkerung” als Ausrede für das politische Versagen

Korruption, Krieg und interne Gewalt sind die häufigsten Ursachen für das Versagen vieler Regierungen gegenüber dem Hunger der eigenen Bevölkerung – trotz Katastrophen- und Entwicklungshilfe und dem Einsatz der knappen eigenen Mittel. Der Kampf gegen das Elend der eigenen Bevölkerung steht oft nicht an erster Stelle, und in vielen der am härtesten getroffenen Länder kann humanitäre Hilfe zur wichtigen Einnahmequelle korrupter Machtsysteme werden. Zudem ignorieren die städtischen Eliten oft die verarmte Mehrheit und die Entwicklungen in den ländlichen Regionen. Abhängigkeiten, Ausbeutung und die Zerstörung lokaler Märkte durch die Verflechtungen der globalen Handelssysteme treiben vielerorts die Armut voran. Nicht zuletzt wurden die ärmeren Länder und vor allem auch die ländliche Bevölkerung von der Wirtschafts- und Finanzkrise besonders getroffen.

Population Boom - José Graziano da Silva Quelle faowashington.org„Wir können bis zu 13 Milliarden Menschen ernähren”, sagt José Graziano da Silva, Direktor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO. Er spricht sich auch für eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte aus, „insbesondere des Derivatemarktes, der die Preise für Agrarrohstoffe extrem beeinflusst. Hedgefonds spielen hier eine wichtige Rolle. Wenn die Preise steigen, drücken sie, wenn es keine eindeutige Regulierung gibt, das Niveau weiter nach oben. Fallen sie, schieben sie es weiter nach unten. Das hilft niemandem. Dabei verliert jeder.” (Interview vom 21. 1. 2013, vgl. www.badische-zeitung.de/wirtschaft-3/die-welternaehrungsorganisation-will-den-hunger-ganz-ausrotten--68389812.html)

Population Boom – Selbstversorgung Quelle coop.ch Zeichen der Hoffnung: Selbstbestimmung ist der Schlüssel
Erfolgreich sind vor allem Initiativen, bei denen Regierungen, Behörden und internationale Hilfsorganisationen die Selbstorganisation unterstützen. Eine robuste Selbstversorgung mit Lebensmitteln und eine eigenständige Produktion auf Grundlage der vor Ort verfügbaren Mittel und Möglichkeiten haben sich als das sicherste Rezept erwiesen, um in kurzer Zeit die Lage eines Dorfes und die Ernährungssituation einer ganzen Region nachhaltig zu verbessern.

Seed Policies and the Right to Food: Enhancing Agrobiodiversity and Encouraging Innovation. De Schutter, 2009.
AGROPOLY: Wenige Konzerne beherrschen die weltweite Lebensmittelproduktion, Erklärung von Bern/Forum Umwelt & Entwicklung, 2011.
umweltinstitut.org/gentechnik/allgemeines-gentechnik/gentechnik-und-welternaehrung-1039.html
Statistical Yearbook 2012. World Food and Agriculture. Part 3 Feeding the World. FAO, 2012.
The State of Food Insecurity in the World 2012. FAO, 2012.
Food Outlook: Global Market Analysis. FAO, November 2012.
www.weltagrarbericht.de
www.greenpeace.de/themen/gentechnik/welternaehrung/
www.welthungerhilfe.de
institut.inra.fr/en
www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/forscher-idee-menschen-in-reichen-laendern-sollen-weniger-essen-a-739215.html

Positive Beispiele:
www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/gentechnik/Rezepte_gegen_den_Hunger.pdf
www.fibl.org