Kinofinder

Nach „Plastic Planet” der
neue Film von Werner Boote

Über den Film:

Population Boom Filmplakat

7 Milliarden Menschen auf der Erde. Schwindende Ressourcen. Giftige Müllberge. Wer von uns ist zuviel?
Weiterlesen

Jetzt den Trailer ansehen:

Population Boom – Zum Trailer

Zum Trailer

Über die Produktion:

Population Boom - Über die Produktion

Nikolaus Geyrhalter Film arbeitet mit RegisseurInnen und AutorInnen, die eine ausgeprägte und innovative Handschrift für das jeweilige Medium besitzen.
Weiterlesen

Population  Boom Facts - Fußabdruck

Ökologischer Fussabdruck und Weltbevölkerung –
die Fakten

Mit dem Begriff der „Überbevölkerung” wird zumeist die Angst vor zu wenig Land für die Versorgung mit Lebensmitteln, zu wenig Wasser, zu wenig Ressourcen und zu viel Umweltzerstörung transportiert. Wie sieht das aber im Detail aus?

Population Boom - FußabdruckDie Ursache für jetzige und zukünftige Probleme auf eine sogenannte Überbevölkerung zu schieben, ist eine einfache Möglichkeit, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Denn es ist nicht vordergründig die Größe der Weltbevölkerung, die zu Klimawandel, Dürrekatastrophen, Umweltverschmutzung, zur Zerstörung ganzer Ökosysteme und Lebensräume führt, sondern der wachsende Verbrauch von Energie, Wasser und Rohstoffen, die höheren Abfallmengen und die intensive Flächennutzung – und diese sind sehr ungleich verteilt. Die derzeitigen Mechanismen des globalen Handels verschärfen zum Teil die Auswirkungen dieser ungleichen Bedingungen.

„Wenn eine Frau aus Kamerun mehrere Kinder zur Welt bringt, trägt sie angeblich zur globalen Überbevölkerung bei, wenn der Schweizer aber zwei Autos kauft, kurbelt er das Wirtschaftswachstum an. Man kann die Frage der vermeintlichen Überbevölkerung nicht vom Ressourcenverbrauch trennen. Die Einwohner der Stadt New York verbrauchen an einem Tag mehr Energie als der gesamte afrikanische Kontinent. „Wenn einem der Umweltschutz tatsächlich am Herzen liegt, muss man den Ressourcenverbrauch der Industrieländer vermindern, statt sich über die Familiengröße fremder Frauen in fernen Ländern Gedanken zu machen”, sagt Shalini Randeria, Professorin für Anthropologie und Entwicklungssoziologie am Genfer Hochschulinstitut für internationale Studien. (vgl. http://www.nzz.ch/wissen/bildung/ueberzaehlig-sind-immer-die-anderen-1.18072764)

Population Boom – SERI Research Institute Wer oder was (ver)braucht wie viel Land? Fakten, Daten, Beispiele
Eine neue Studie von Friends of the Earth Europe und dem Sustainable Europe Research Institute (SERI) zeigt den weltweiten Handelsverkehr mit sogenanntem virtuellen Land auf. Darunter versteht man die gesamten Flächen, die für die Erzeugung von Handelsgütern gebraucht wurden. Die Studie zeigt, dass fast 60 Prozent des Agrarlandes, das zur Deckung der europäischen Nachfrage nach land- und forstwirtschaftlichen Produkten gebraucht wird, in anderen Kontinenten liegt.

Europas „Land-Footprint”: mindestens 1,5 Mal die eigene Fläche
Wem ist schon bewusst, dass für die Erzeugung einer Tasse Kaffee 4,3 Quadratmeter Land benötigt werden? Doch nicht nur für die Erzeugung von landwirtschaftlichen Produkten wird Land gebraucht. In all unseren Konsumgütern ist indirekt Land enthalten, das für die Erzeugung genutzt wurde. Die Fertigung eines einzigen Laptops braucht zum Beispiel zehn Quadratmeter Land. (Und zur exemplarisch erwähnten Tasse Kaffee kommt nun jeweils die Alukapsel dazu und so weiter.)

Population Boom – Fußabdruck Quelle foeeurope.org Jährlich werden 120 Millionen Hektar Land zur landwirtschaftlichen Nutzung außerhalb Europas benötigt, um die Lebensmittel und Konsumgüter für Europa zu erzeugen. Das entspricht in etwa 1,5 Mal der eigenen Fläche von Europa oder einer Fläche vierzehnmal so groß wie Österreich.

Beim Gesamt-Flächenbedarf liegt Europa mit 640 Millionen Hektar – nach den USA mit 900 Millionen Hektar –an zweiter Stelle. Der „Land-Footprint” Europas ist in Wirklichkeit aber noch viel größer, wenn man den Zuwachs an Agrotreibstoff- und Biomasse-Importen ab 2004 mitrechnen würde.

Die Nachfrage in Europa steht aber in einigen der nach Europa exportierenden Länder in direkter Konkurrenz zur Selbstversorgung. Diese können oft neben dem Export nicht einmal die Produktion von Grundnahrungsmitteln und die Gewinnung von Ressourcen auf den eigenen Flächen sicherstellen. Darüber hinaus kommt es oft zu sogenanntem „Land Grabbing” („Landraub”). Regierungen, nationale Eliten oder nationale und internationale Unternehmen eignen sich Flächen zur Produktion für den Export an, die oft aufgrund von Gewohnheitsrecht jahrhundertelang von der lokalen Bevölkerung bestellt worden waren.

Mit der enormen Landnutzung werden auch die massiven negativen Umweltauswirkungen der Produktion unserer Lebensmittel und Konsumgüter in die Erzeugerländer ausgelagert: Böden werden überdüngt und ausgelaugt, giftige Pestizide belasten die Umwelt, Urwälder werden in Agrarland umgewandelt, schädliche Chemikalien zur Gewinnung von Bodenschätzen eingesetzt ...

Enormer Land- und Ressourcenverbrauch für Fleischkonsum

Population Boom - FleischverzehrDer Weltagrarrat der UNESCO schätzt, dass heute weltweit etwa 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen der Nutztierhaltung dienen. Europa importiert große Mengen an Futter und Getreide aus anderen Weltregionen. Für den Anbau von Soja und Mais – zum großen Teil gentechnisch manipulierte Pflanzen – werden ständig riesige Flächen von Urwäldern gerodet. Die Ernten werden hauptsächlich als Futter für die europäische Viehzucht verwendet, um das hohe Produktionsniveau an Fleisch- und Milchprodukten zu erhalten. Europa produziert sogar mehr Fleisch und Milchprodukte, als von Europäerinnen und Europäern konsumiert werden – und diese konsumieren eine beträchtliche Menge.

In Österreich werden pro Kopf und Woche 1,25 Kilogramm Fleisch verzehrt. Dass das viel zu viel ist, darüber sind sich sowohl Ernährungswissenschaftler als auch Klimaforscher einig.

Population Boom – Müll Quelle kleinezeitung.at Der riesige Fleischhunger Europas und anderer reicher Industrieregionen der Welt hat dazu geführt, dass die Länder des Südens ihre Flächen zur Produktion von Futtermitteln zur Verfügung gestellt haben. Als „Land-Use Change” bezeichnet man ganz neutral diesen Vorgang, der zur gänzlichen Änderung der Landnutzung führt. Bäuerinnen und Bauern werden gezwungen – oft durch die Regierung ihres eigenen Staates – auf ihren Grund und Boden zu verzichten und das Land an die großen Konzerne abzugeben. Danach arbeiten sie zu einem Hungerlohn als Landarbeiterinnen und Landarbeiter für eben diese Konzerne. Während Schweine, Rinder, Hühner und Puten in europäischen Ställen immer fetter werden, haben diese Menschen, die sich zuvor von ihrer eigenen Landwirtschaft ernähren konnten, nun nicht einmal mehr genügend Geld zur Verfügung, um ausreichend Lebensmittel für ihre Familien auf dem Markt kaufen zu können. Oder auf den Punkt gebracht: Unsere zu vielen billigen Schnitzel bedeuten für zahlreiche Familien in Argentinien oder Brasilien leere Teller.

Daten aus dem Jahr 2007 zeigen in der EU einen Überschuss von 1,6 Millionen Tonnen Fleisch und zwei Millionen Tonnen Milchprodukte. Das Zuviel an Fleisch und Milchprodukten landet entweder im Müll oder wird in andere Weltregionen exportiert. Das ist aber keine mildtätige Unterstützung armer Regionen, sondern hat wiederum verheerende Auswirkungen auf die lokalen Märkte vieler Entwicklungsländer: Gefördert durch die Subventionen der europäischen Agrarpolitik, kann Europa die Überschussproduktion unter den Weltmarktpreisen verkaufen und ruiniert damit sowohl die lokalen Produktionen als auch den lokalen Handel und verschärft die Armut vieler Menschen auf diese Weise.

Fleischkonsum und Klimawandel
Durch die Brandrodung tropischer Regenwaldgebiete, den Ausstoß der Klimagase Methan und Lachgas in der Tierproduktion sowie durch das aus den Ackerböden freigesetzte Kohlendioxid verursacht die heutige Landwirtschaft fast 40 Prozent aller vom Menschen verursachten CO2-Emissionen, eingerechnet Produktion und Verarbeitung, Transport, Verbrauch und Entsorgung von landwirtschaftlichen Gütern. Dabei klafft die Klimabilanz der unterschiedlichen Anbaumethoden und Ernährungssysteme häufig weit auseinander. In der Regel sind kleinteilige und arbeitsintensivere Strukturen klimafreundlicher als industrielle Monokulturen.

Population Boom – CO2 Ausstoss Nach einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung aus dem Jahr 2010 könnte durch die Reduktion der Fleisch- und Milchproduktion der landwirtschaftlich bedingte Ausstoß von Methan und Lachgas um mehr als 80 Prozent reduziert werden.

Genug Wasser für
13 Milliarden?

Beim Verbrauch von Wasser gibt es enorme regionale Unterschiede. Beispielsweise konsumieren durchschnittliche Nordamerikanerinnen und Nordamerikaner die größte Menge an Wasser: 7 700 l/Tag. Im Vergleich dazu verbrauchen durchschnittliche Afrikanerinnen und Afrikaner am wenigsten Wasser: 3 400 l/Tag. Der direkte Wasserverbrauch – etwa durch Trinken, Kochen oder Waschen – macht aber nur einen Bruchteil des Wasserverbrauchs aus.

Population Boom - WasserverbrauchInsgesamt fließen weltweit etwa 70 Prozent der erschlossenen Wasserressourcen in die Landwirtschaft. In Europa – bei stark regionalen Unterschieden – sind es insgesamt 22 Prozent, die zur Bewässerung in die Landwirtschaft fließen. Der größte Anteil, etwa 45 Prozent, werden hier vom Energiesektor zu Kühlungszwecken entnommen.

Bei der Fleischproduktion ist nicht nur der Flächenbedarf enorm, sie hat auch den größten Wasserverbrauch in der Landwirtschaft: Für ein Kilo Rindfleisch braucht man, die Futtermittelproduktion eingerechnet, rund 15 000 Liter Wasser. Würde der Anteil tierischen Proteins an der Ernährung von 20 auf fünf Prozent sinken, so würde laut Studie des Stockholm International Water Institute das verfügbare Wasser für die wachsende Anzahl der Weltbevölkerung reichen.

Die Tierschutzorganisation PETA weist darauf hin, dass eine omnivore Ernährungsweise ungefähr 15 000 Liter täglich erfordert, eine vegetarische 4 500 Liter und eine vegane zirka 1 100 Liter.

Lebenswichtiges Wasser fließt „unbemerkt” in die weltweite Konsumgüterproduktion
Anlässlich des Weltwassertages am 22. März 2013 wies die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 auf den zunehmenden Verbrauch der lebenswichtigen Ressource Wasser hin: Der Großteil des Verbrauchs entsteht durch den Konsum von Gütern, die in ihrer Produktion sehr wasserintensiv sind. Mit dem zunehmenden weltweiten Handel mit Materialien und Produkten steigt der Verbrauch von „virtuellem” Wasser stetig an. Durchschnittliche Europäerinnen und Europäer verbrauchen etwa 4 750 Liter Wasser pro Tag. Virtuelles Wasser beschreibt, welche Menge Wasser in einem Produkt oder einer Dienstleistung enthalten ist oder zur Herstellung verwendet wird. Im Gegensatz zu direkt verbrauchtem Wasser wird der Anteil des „virtuellen Wassers” oft unterschätzt. Zum Beispiel werden für die Produktion eines einzigen Baumwoll-T-Shirts im Durchschnitt 2 700 Liter Wasser benötigt.

Population Boom – Global 2000 LogoDie beträchtlichen Mengen an Gütern, die in Europa konsumiert werden, werden häufig in anderen Weltregionen angebaut oder produziert. Mit dem Import von wasserintensiven Produkten konsumieren wir hier in Europa Wasser aus anderen Regionen der Welt. Paradoxerweise wird oft in Ländern mit geringen Süßwasserreserven ein großer Teil des Wassers für die Produktion von Exportgütern für wasserreiche Länder verwendet. Dadurch wird die häufig knappe regionale Wasserversorgungssituation zusätzlich enorm verschärft. Unser Konsum übt demnach indirekt Druck auf die Wasserressourcen anderer Länder aus. Der Appell an uns alle muss daher lauten: Wasser sparen! Zum Beispiel, indem man nur das konsumiert, was man auch wirklich benötigt.

„Kein Land in Sicht”, Studie von Sustainable Europe Research Institute (SERI), GLOBAL 2000 und Friends of the Earth Europe
www.reduse.org/sites/reduse/files/Kein Land In Sicht_DE.pdf
www.reduse.org/de/kein-land-sicht
„Wie gewonnen, so zerronnen. Vom steigenden Ressourcenverbrauch und den Auswirkungen auf Wasser”. Studie von Sustainable Europe Research Institute (SERI), GLOBAL 2000 und Friends of the Earth Europe, 2011
weitere Quellen:
www.footprint.at
www.worldresourcesforum.org
www.global2000.at/sites/global/files/import/content/fleisch/Sonntagsbraten_Hintergrundpapier4.pdf_me/Sonntagsbraten_Hintergrundpapier4.pdf
weltagrarbericht.zs-intern.de/themen-des-weltagrarberichtes/klima-und-energie.html
www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/archiv/2010/klimaschutz-durch-bewusste-ernaehrung
www.waterfootprint.org/?page=files/home